Sherwin
Bernard
Nuland

    

  

Wikipedia.Autor  
*1930 in Connecticut bis 2014 (83)

DNB.name    DNB.person 

DNB.nummer (19)

 

detopia:   Psychobuch 

N.htm     Sterbejahr 

detopia:  Kübler-Ross    Roland Schulz 2018    Timothy Quill 

 

 

   

  

  

Wie wir sterben - Ein Ende in Würde?  (1993)

Wie wir leben  (1997)

Die Kunst zu altern (2007)   Audio dlf 6 min

Der Blick unter die Haut 

Leonardo da Vinci


 

Nicht ins Deutsche übersetzte Titel:

Doctor’s: The Biography of Medicine.
The Wisdom of the Body.
The Mysteries Within.
The Doctors’ Plague.
Maimonides (Jewish Encounters).
Lost in America: A Journey with My Father. 2003.


Leseberichte zu How we die / Wie wir sterben

Dipl.-Psych. B. Kuck    http://ppfi.de 

 

Tod und Sterben entfalten sich auch in unseren Breiten zu einem ähnlich großen Tabuthema wie in den USA. Viele Menschen wünschen sich einen plötzlichen Tod, ein nur kurzes Sterben. Das läßt darauf schließen, daß es nicht der Normalfall ist, friedlich und mit wenig Qual vom Leben zum Tod zu wechseln. 

Nuland beschreibt unsentimental, aber nicht ohne Gefühl, aus eigener Anschauung, wie wir sterben. Nuland ist Chirurg in den USA, weiß also wovon er spricht, lebt er doch in einem Land, in dem die hochtechnisierte Medizin Triumphe feiert und die Verleugnung von Sterben und Tod teilweise groteske Formen angenommen hat. 

Er weiß aber auch wovon er spricht, weil sein Beruf ihn mit der Hybris der Allmacht und mit der Allgegenwart des Sterbens konfrontiert. Und er weicht der Konfrontation nicht aus, läßt seine eigene Betroffenheit zu, plädiert also für ein Sterben in Würde, weil Sterben in Würde real so selten ist und, so es möglich wäre, die technisch hochgezüchtete Medizin es verhindert.

Immer ist die innere Beteiligung des Autors zu spüren, auch dann noch, wenn das Sterben an den häufigsten Krankheiten der westlichen Welt medizinisch, sachlich geschildert wird. Besonders nah ist einem der Autor, wenn er seine eigene Konflikthaftigkeit schildert. Seine eigentlich „unsinnige“ Handlungsweise angesichts der tödlichen Erkrankung seines Bruders; sein Triumph, eine über achtzigjährige todkranke Patientin zur Operation überredet zu haben, ihre bitteren Vorwürfe, als sie sich in falscher Hoffnung getäuscht sah, seine Beschämung und seine Zweifel, ob er nicht in ähnlicher Situation - trotz besseren Wissens - wieder so handeln würde.

Nicht zuletzt bei seiner spürbaren Empörung, daß auf dem Totenschein von den Ärzten eine Todesursache benannt werden muß, die auch da auf pathologische Begrifflichkeiten abstellt, wo es sich um den verdrängten natürlichen Tod handelt.

# Dipl.-Psych. B.Kuck   


Mehr im Web  

bei Herrn Nico Haase http://www.buchtips.net/rez154.htm   

www.3sat.de  Sterben verboten?

Zweiteilige Dokumentation #  Film von Brigitte Weismann (Teil 1 am 21. September 2003, 19.30 Uhr) und Uta Claus  #  (Teil 2 am 23. September 2003, 18.00 Uhr).

www.ruhen-und-tun.de  

 

 

 

 

 

 

 

Leseberichte - Amazon

 

Ehrlich und nüchtern dem Tod ins Auge geschaut!   2003  Von Seither, Stephan aus Berg 

Mit diesem Buch hat uns der Autor kein Trostbüchlein zum unausweichlichen Thema Tod geschrieben, vielmehr ist es die unumgängliche, ungeschminkte Wahrheit. 

Der Tod? Ist er für uns Menschen nur so schwer zu akzeptieren, weil wir uns vor ihm verstecken - ein Leben lang, bis es keinen Ausweg mehr gibt? Stirbt es sich leichter, wenn man solche Bücher gelesen hat?

Sherwin B. Nuland beschreibt die Phasen, die ein Mensch durchlebt der z.B. die Diagnose "Krankheit ohne Heilungschance" durchläuft - er kennt das nur zu gut aus seiner beruflichen Laufbahn (Chirurg und Medizinhistoriker) heraus...

Ein Mediziner der mit dem Tod vertraut ist teilt uns sein Wissen, seine Erfahrungen mit und das nimmt die Angst vor dem unausweichlichen Ereignis - bereitet vor! Ein Buch das nicht gedacht ist Todessehnsucht zu wecken, ein Buch das vorbereiten möchte auf den Tag X

 


Sehr bewegend     2002   von Schuhbeck aus Traunstein, Bayern  

Das beste Buch das ich zu diesem Thema gelesen habe. Die detaillierten Beschreibungen de einzelnen Todesarten sind auch für einen einigermassen fachkundigen Leser sehr menschlich und anrührend dargestellt. Ein sehr bewegendes und persönlich geschriebenes Buch.


Ergreifend und helfend zugleich     2002 von Lothar Hitzges  aus Schweich  

Das Thema „Wie wir sterben" ist für die meisten ambivalent. Zu einen möchte man schon gerne wissen was da genau passiert, aber Ängste vor Schmerz und Endgültigkeit schrecken wiederum ab.

Hier schreibt ein Chirurg und Medizinhistoriker über seine Berufs- oder treffender Lebenserfahrung mit dem Tod. Das heißt aber nicht, das Autor Nuland nur die physikalische und biologische Seite einseitig darstellt. Er schreibt zudem treffend wie unsere Gesellschaft heute und in der Vergangenheit mit diesem Thema und den betroffenen Menschen umgeht. Deshalb ist der Untertitel des Buches „Ein Ende in Würde?" auch gut gewählt.

Niemand sollte Angst haben vor seinem Tod und erst recht nicht vor diesem Buch haben. Im Gegenteil dieses Buch hilft, in dem es sehr detailliert erläutert, was da mit dem Menschen bei seinem nahenden Ende passiert. Die Beschreibung der realen biologischen und physikalischen Tatsachen sind nicht brutal oder gar schokierend -wie meist unsere Erwartungshaltung dazu ist-, sondern Wissen und Einsicht vermittelnd. Mit diesem Wissen und der Einsicht, das wir ein Teil der Natur sind und das wir den Tod als etwas natürliches begreifen, tritt beim Leser Frieden und Ruhe ein. Die Angst verschwindet und ermöglicht einen sachlichen Umgang mit sich selbst und seiner Umwelt in dieser Frage.

Ich kann jedem, den Ungewissheit und Ängste quälen, dieses Buch nur nahelegen. Es vermittelt dem modernen Menschen ein leider verloren gegangenes Wissen und versetzt ihn in die Lage mit dem Tod wieder natürlich umzugehen, wie es unsere Vorfahren auch konnten.

 


Das Sterben sollte kein Tabu-Thema mehr sein      2002 Von Kuettner aus Chemnitz  

Auf 400 Seiten (mit detailliertem Stichwortverzeichnis) gibt Nuland sehr ausführlich und in einer für den Nicht-Mediziner gut verständlichen Sprache detaillierte Antworten auf die Frage, wie der Vorgang des Sterbens verlaufen kann. Er zeigt dies exemplarisch an den sechs häufigsten Krankheitsbildern, die zum Tode führen: Herzversagen, Krebs, AIDS, Alzheimersche Krankheit, gewaltsame Tötung (durch fremde und eigene Hand) und Alterstod. 

Er zeigt dem Leser, - wie (im Prinzip) gleich und wie (im Einzelfall) unterschiedlich diese verschiedenen Symptome beharrlich und unbeirrt ihr zerstörerisches Werk betreiben, bis der Organismus nicht mehr lebensfähig ist; - welche (zunächst an sich harmlose) biologische Veränderung oder physiologische Funktionsstörung zu welchen weiteren (immer weniger harmlosen) Folgeschäden führt und wie dieser Teufelskreis des im Körper um sich greifenden Chaos sich dem Menschen bemerkbar macht; - wie machtlos die Medizin auch heute noch ist, dieser einmal ins Rollen gekommenen Lawine wirksam Halt zu gebieten, und daß der Arzt diese Grenze der Möglichkeiten - die ihm rational durchaus bewußt ist - irgendwann auch emotional akzeptieren und eine mitmenschliche Begleitung des Sterbenden an die Stelle der letztendlich objektiv erfolglosen Bemühungen zur Verlängerung eines nicht mehr rettbaren Lebens setzen muß.

Sehr beeindruckend finde ich die Darstellung, daß auch ohne Krankheit der Tod Endpunkt eines bereits im frühen Embryonalstadium beginnenden Alterungsprozesses ist, der, weil er einer biologischen Gesetzmäßigkeit folgt, objektiv nicht aufgehalten werden kann. Demzufolge seien, so Nuland, solche Symptome wie Arteriosklerose, Bluthochdruck, Altersdiabetes, Fettleibigkeit, Verwirrtheit, Krebs und Immunschwäche u.a. zwar die konkreten Anlässe, nicht aber die eigentliche Ursache des Todes: die Altersschwäche. Der Autor zieht daraus die Schlußfolgerung, daß die Ärzte sich mit den Grenzen der Natur abfinden müßten und nicht ihren Berufsehrgeiz dafür einsetzen sollten, das Leben sterbenskranker alter Menschen bis über diese natürliche Grenze hinaus um jeden Preis ausdehnen zu wollen.

Als einen Kernsatz habe ich meinem Exemplar von Nulands Buch dick rot unterstrichen:

 "Am Ende des Lebens steht der Tod und nicht der Versuch, das Sterben zu verhindern. Der atemberaubende Fortschritt der Wissenschaft in unserem Jahrhundert hat dazu geführt, daß unsere Gesellschaft hier falsche Akzente setzt. Der Sterbende muß im Drama des Todes als Hauptfigur wieder in den Mittelpunkt rücken." (S. 376)

Bei aller prinzipiellen Zustimmung zu diesem Standpunkt sehe ich aber auch eine große Gefahr in ihrer möglichen logischen Konsequenz. Wenn Nuland z.B. den Sinn krebsbedingter Totaloperationen oder gar von Dialysebehandlungen für Hochbetagte ernsthaft in Frage stellt, dann könnte sich in der Zukunft eine zahlungsunfähig gewordene gesetzliche Krankenversicherung auf solche Überlegungen berufen, wenn sie (wie in Großbritannien heute schon Realität) alten Menschen ohne Vermögen aus Kostenersparnisgründen lebenswichtige Therapieformen vorenthalten und sie damit zum vorzeitigen Tod verurteilen will! 

Ebenso teile ich nicht Nulands befürwortende Haltung gegenüber der aktiven Euthanasie und seine abwertende Ansicht zur Selbsttötung, die sich nach meiner Überzeugung jeglicher moralischer Bewertung entzieht.

Der Verfasser führt den Leser zu der ernüchternden Erkenntnis, daß trotz bester Absicht ein Sterben in Würde nur in seltenen Einzelfällen erreichbar ist: Den meisten von uns wird ein Ende ohne die spürbaren Merkmale einer auch heute noch unbeeinflußbar grausamen biologischen und klinischen Realität versagt sein.

Diese schonungslose Darstellung der Wirklichkeit habe ich aber nicht als Horrorszenario empfunden, sondern - es hilft mir dabei, von idealisierten Sterbensvorstellungen Abschied zu nehmen; - es erleichtert mir die Erfüllung meines Anliegens, beim medizinischen Personal für die notwendige Prioritätsverschiebung zugunsten der mitmenschlichen Zuwendung zu Sterbenden zu werben; - und es verstärkt meinen Wunsch, die mir verbleibende kostbare Zeit möglichst sinnerfüllt zu leben.

Die Sprache Nulands ist trotz der Härte der dargestellten Realität einfühlsam bis ehrfürchtig; jene Rigorosität im Ausdruck mancher Mediziner, die tagtäglich mit dem Sterben konfrontiert sind, ist ihm erfreulicherweise nicht anzumerken.

Dieses Buch ist mir nicht nur eine wertvolle Grundlage für meine Arbeit geworden, sondern hat auch mein Verhältnis zum Sterben nachhaltig beeinflußt. Bei aller Widersprüchlichkeit überwiegt sein informierender, aufklärender und (im positiven Sinne) bewußtseinsverändernder Wert. Ich möchte es jedem kritischen Leser empfehlen, der die – unbedingt auch kontrovers zu führende - Auseinandersetzung mit den behandelten Themen nicht scheut. Die meisten von uns beschäftigen sich ohnehin zu wenig mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens, wie ich immer wieder bedauernd feststelle.  

 

 

 

 

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