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Faust und Pandoras Büchse

Einführung von Klaus Mehnert (1973) zu Commoner-1971

 wikipedia  Klaus Mehnert *1906 in Moskau bis 1984 (77)  Sterbejahr

      Richard Kaufmann zu Widener-1970 

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Als ich 1969 meine Studenten der University of California in Berkeley bat, mir etwas Interessantes aus dem akademischen Leben zu zeigen, hatten sie mich in Jazzkeller und Diskotheken geführt, zu Rauschgiftparties und Sexfilmen. 

Zwei Jahre später dagegen, als ich sie wieder besuchte, nahmen sie mich in ein <Natur-Restaurant> mit (in einem ehemaligen Beatschuppen); wo es nur ganz primitive Speisen ohne alle chemischen Zusätze gab, während im Raum daneben ein asiatisch gekleideter Mann mit weißem Bart seinen auf dem Boden hockenden Zuhörern das einfache und gute Leben predigte. 

Das meistgebrauchte Wort heißt heute <Ecology>, Ökologie also; mit anderen Worten die Bemühung um die Umwelt, in der der Mensch lebt und die er in beschleunigtem Tempo vernichtet.

Nach dem Natur-Restaurant führten die Studenten mir in den Gärten der von ihnen bewohnten Häuser Gemüsebeete vor, die sie selbst angelegt hatten, um chemisch unverseuchtes Gemüse zu züchten. Besonders stolz waren sie auf ihre neuen Komposthaufen, von denen früher kein amerikanischer Stadtbewohner je etwas gehört hatte. Sie besaßen Broschüren, aus denen hervorging, wie man einen solchen Haufen richtig anlegt; dorthin warfen sie alle ihre Abfälle, um dann später ihr Gemüsebeet zu düngen.

Zum Schluß hockten wir alle zusammen in einem Haus, in dem einige Studenten wohnten. Ich bat sie, mir zu erzählen, was sie denn sonst noch alles zur Entschmutzung der Erde tun. Als erstes brachten sie mir einige neue Worte bei: Um Ökologie richtig zu betreiben, müsse man eine richtige »Ökotaktik« entwickeln und notfalls sogar »Ökotage« betreiben.

Was denn das sei? fragte ich. Ökotage, sagten sie, ist die Anwendung von Sabotage zum Zwecke der Ökologie. Sie erzählten mir, daß sich eine ökologische Kampforganisation an die Öffentlichkeit gewandt habe mit der Bitte um Vorschläge, wie man durch spektakuläre Aktionen die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf den Kampf gegen die Verschmutzung der Erde lenken könne. Über tausend Vorschläge seien bereits eingegangen.

Man solle zum Beispiel die Direktoren von wasser- und luftverschmutzenden Industrien entführen und erst wieder freigeben, wenn ihre Betriebe entsprechende Maßnahmen gegen die Verschmutzung getroffen hätten. Man solle Abgeordneten, die in den Parlamenten für die Schaffung neuer Autobahnen und ähnlicher Zementwüsten stimmen, nachts den Rasen vor ihrem Haus mit Zement zuschütten. Kurzum, man solle Ökorillas organisieren (ökologische Guerillas), um solche Ökommando-Unternehmen auszuführen.

Was sie selbst denn außer Komposthaufen gegen die Verschmutzung täten, wollte ich wissen. Die Antworten kamen so schnell, daß ich um Papier bat, um eine Liste anzulegen. Ein Mädchen gab mir einen Bogen, der auf einer Seite schon vollgeschrieben war. Sie erklärte dazu: »Wir beschreiben jetzt die Bögen auf beiden Seiten, um Papier zu sparen, denn jedes Blatt Papier ist ein Stück Wald, und der Wald muß geschützt werden.«

Noch lag in allen Läden das Buch mit dem Titel <Zukunftsschock>, in dem uns der Autor klarmacht, wir lebten in einer <Wegwerfgesellschaft> — und schon propagierten die jungen Amerikaner das Gegenteil: das Nichtweg­werfen!

Die Studenten führten mich in die Küche und zeigten mir Berge sauber gebündelter Zeitungen, die man an bestimmten Tagen vor die Häuser legt und die dann durch freiwillige Helfer abgeholt und an Papierfabriken verkauft werden (auch jede Zeitung ist ja ein Stück Baum!). Der dafür von der Fabrik gezahlte Betrag geht in einen Ökofonds und dient dem erneuten Kampf gegen den Schmutz. Neben den Bündeln standen große Schachteln, in denen leere Konservendosen gestapelt wurden, Zinn und Aluminium säuberlich getrennt; auch sie werden von Zeit zu Zeit zur Wiederverwertung abgeholt.

Besonders die Mädchen hatten viel zu berichten: »Hunderte von Millionen Geschirr- und Wäschestücke werden in Amerika täglich gespült und gewaschen, und die dafür bisher benutzten Waschmittel enthalten Stoffe, die unsere Gewässer verschmutzen. Daher benutzen wir nur solche Waschmittel, die wenig oder keine Giftstoffe enthalten.«

Über dem Spültisch hing eine Liste, gedruckt vom »Verband ökologischer Zentren«, auf der sämtliche Waschmittel nach ihrer Giftigkeit aufgeführt sind; der Grad der Giftigkeit geht von 0 bis 60!

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Eine andere Studentin machte mich auf die Küchentücher aus Stoff aufmerksam: »Früher benutzten wir für alles Papiertücher, die wir dann wegwarfen. Das war viel einfacher, aber jedes Papiertuch ist ein Stück Wald. Jetzt nehmen wir auch wieder Taschentücher aus Stoff.«

Sogar ins Klo wurde ich geführt. Ob mir nicht etwas auffiele? Ich gestand, daß mir nichts auffiel. »Wir benutzen nur noch weißes Klopapier!«, wurde ich aufgeklärt, »in dem farbigen sind Giftstoffe, die ins Wasser geraten. Das läppert sich zusammen bei zweihundert Millionen Amerikanern.«

Einer hob den Deckel des Klospülkastens und ließ mich hineinschauen; dort lagen drei Ziegelsteine. Auf diese Weise nehme der Kasten jedesmal etwa zwei Liter weniger Wasser auf: »Wenn alle Amerikaner das täten, würden täglich anderthalb Milliarden Liter weniger Wasser verbraucht.« Im Badezimmer stand auf einem Plakat: »Spart Wasser! Steht nicht zu lange unter der Dusche!«

Eine junge Mutter informierte mich, sie sei — nicht ohne anfänglichen inneren Widerstand wegen der zusätzlichen Arbeit — von Papier- zu Stoffwindeln übergegangen, immer im Gedanken an den Wald, der den Papierwindeln zum Opfer fällt. In der Küche sah ich eine — ebenfalls vom ökologischen Verband verfaßte — Anweisung folgenden Inhalts:

»Spart Wasser und Elektrizität. Die Rohstoffe sind nicht unbegrenzt! Vermindert euren Verbrauch! Die Kraftwerke sagen, man müsse mehr Staudämme bauen, um mehr Wasser und Strom zu bekommen. Aber jeder Damm zerstört das empfindliche ökologische Gleichgewicht der Landschaft.«

Ein besonders heftiger Kampf gilt den Plastiktüten. Die Mädchen und auch einige Jungen zeigten mir altmodische Einkaufstaschen, die sie noch in der Rumpelkammer gefunden hatten und nun benutzen. »Früher«, sagten sie, »warf man bei uns täglich viele Millionen Plastiktüten weg. Aber sie verfaulen nicht, und wenn man sie verbrennt, verpesten sie die Luft. Also Schluß damit!«

In einem Garten zeigte man mir, es war schon stockdunkel, einen Baum. Zunächst wußte ich nicht, was an ihm betrachtenswert war — eine gewöhnliche Tanne. »Das ist unser Weihnachtsbaum vom vorigen Jahr! Wir haben ihn samt Wurzeln in einem Topf gekauft und nach den Feiertagen im Garten eingegraben, um ihn im nächsten Jahr wieder zu verwenden. Bisher wurden jährlich Millionen Weihnachtsbäume in den Wäldern abgehackt. Welche Barbarei!«

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Ausführlich berichtete man mir von dem Massenaufgebot der Studenten und Schüler, die sich nach dem Unfall eines Öltankers in der Bucht von San Francisco tagelang darum bemühten, die ölverkrusteten Wasservögel durch vorsichtiges Waschen ihres Gefieders vor dem Tode zu retten.

Als großer Sünder gilt das Auto; der Ökotransport vollzieht sich daher neuerdings auf Fahrrädern. Ich habe keine Gesamtzahlen gefunden, aber wenn es so weitergeht, wird man auf den amerikanischen Straßen bald so viele Fahrräder sehen wie in Holland — oder China. Die Fahrradfabriken — viele in Japan und Europa, deren Produkte besonders beliebt sind — kommen kaum nach, und die Studenten berichteten über lange Wartezeiten bei Reparaturen, da es bislang zu wenige Werkstätten für Fahrräder gäbe.

Allenthalben ertönt der Ruf nach Radfahrwegen. Im Staate Oregon ist ein Gesetz erlassen worden, wonach ein Prozent der Straßenbaugelder für die Anlage von Radfahrwegen ausgegeben werden muß. In San Francisco gibt es besondere Busse, die nur dazu da sind, um Fahrräder (samt ihren Eigentümern) über die viele Kilometer lange, von endlosen Autoschlangen überfüllte Bay-Brücke zu transportieren. Und auf der nicht ganz so langen Golden-Gate-Brücke ist einer der beiden breiten Bürgersteige für Radler freigegeben worden.

Als ich mich in tiefer Nacht verabschiedete (ich bestand darauf, zu Fuß heimzugehen, da ich kein Fahrrad hatte und nun natürlich die spätsommerliche Nachtluft nicht mit Benzingestank erfüllen konnte), riet man mir, am nächsten Tag das ökologische Zentrum von Berkeley zu besuchen. Ich tat es. Dort lagen zwei- bis dreihundert verschiedene Bücher zum Kauf aus.

In drei Regalen standen Naturbücher aller Art über gesundes und einfaches Kochen, über die Verwendung von Wurzeln und Kräutern, über die Pflege wilder Vögel, über das Weben am eigenen Webstuhl und vor allem, natürlich, über die Hintergründe der ökologischen Welle. Einige kaufte ich gleich; besonders eindrucksvoll fand ich Barry Commoners Buch <The Closing Circle>, das nun auch unter dem Titel <Wachstumswahn und Umweltkrise> auf deutsch vorliegt.

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Um einem möglichen Einwand des deutschen Lesers gegen dieses Buch gleich zu begegnen:

Daß es sich hier um das Buch eines Amerikaners vorwiegend über Amerika handelt, macht das Buch nicht weniger interessant für uns. Denn wir wissen seit langem (und ich habe es über viereinhalb Jahrzehnte hindurch selbst aufgrund häufiger Besuche in den USA erlebt), daß Amerika das große Experimentier­feld der modernen Zivilisation ist, daß fast alles, was dort geschieht, rasch nach Europa (auch nach dem östlichen) übergreift und dann auf die ganze Welt. Wer also unsere deutschen und europäischen Probleme von morgen nicht erst morgen, sondern schon heute studieren will, muß Amerika studieren.

Daß Commoners Buch besonders überzeugend wirkt, hängt sicher damit zusammen, daß der Autor — ein vielbegehrter Redner — im Laufe von Hunderten von Vorträgen und öffentlichen Debatten gelernt hat, das Wesentliche in den Vordergrund zu rücken und klar zu formulieren.

Der Autor schildert in seinem Buch das blind-zerstörerische Umgehen des Menschen, vor allem des Amerikaners, mit der Natur und ihren Elementen: mit dem Feuer (in der Entfesselung der Atome und der damit in den Bereich des Möglichen gerückten Vernichtung des Lebens auf diesem Planeten), mit der Luft (Beispiel: deren Verseuchung in Los Angeles), mit der Erde des fruchtbaren Maislandes von Illinois durch Kunstdünger, mit dem Wasser (in dem erschütternden Kapitel über den Tod des Eriesees), und natürlich ist jeder dieser Einzelfälle nur ein Symptom für Hunderte oder Tausende ähnlicher Absurditäten des menschlichen Verhaltens.

Alle haben sie eines gemein: Der Mensch zerstört die Harmonie der Natur, die auf einem überaus komplizierten Gleichgewicht und einem Kreislauf der Kräfte beruht (das Verfaulende ist zugleich ein Förderer neuen Lebens). Commoner führt den Leser von dem simplen Beispiel der Hasen und Luchse in Kanada (gibt es viele Hasen, so prosperieren und vermehren sich die hasenfressenden Luchse; die Zahl der Hasen geht zurück, die der Luchse auch, weil sie keine Hasen zum Fressen haben; die Hasen vermehren sich also wieder, ebenso die Luchse und so fort, in einem Zyklus von etwa zehn Jahren) zu immer schwierigeren Problemen, an denen immer mehr Faktoren beteiligt sind und aufeinander einwirken.

Aber im Grunde bleibt es bei Hase und Luchs: Der Kreislauf funktioniert so lange, bis eines Tages die Luchse sämtliche Hasen aufgefressen haben, dann gibt es keine Hasen mehr — und keine Luchse, weil sie keine Hasen zum Fressen haben. Der Mensch nähert sich dem Zeitpunkt, das ist Commoners These, wo er »alle Hasen«, das heißt alle lebenspendenden Kräfte der Natur, aufgefressen oder ruiniert hat und dann eben selbst nichts mehr zum Leben hat.

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Stellenweise steigert sich die Schilderung zu kriminalistischer Dramatik, so in dem Kapitel, in dem die Wissenschaft den Ursachen des Smog, der giftig-braunen Dunstglocke über Los Angeles, nachspürt, sie in den Abgasen der Automobile findet — um festzustellen, daß die Verwendung von Autos mit geringeren Abgasen den Smog nur noch schlimmer werden läßt, weil ... aber das möge der Leser selbst nachlesen, ich will die traurige Pointe nicht vorwegnehmen.

Das Gesamtbild, das Commoner zeichnet — und darin stimmt er mit den meisten führenden Umweltschützern überein —, ist in höchstem Maße alarmierend. Man könnte meinen, die zivilisatorisch fortgeschrittensten Völker der Welt hätten nur eines im Sinn, die baldmögliche Vernichtung des menschlichen Lebens auf der Erde, und seien nichts anderes als Millionen von Fausts, die jede überhaupt nur vorstellbare Pandorabüchse öffnen, um deren Plagen auf die Menschheit loszulassen. Und kaum haben sie eine Plage als solche erkannt, analysiert, durch eine neue Erfindung neutralisiert, so erweist sich diese schon wieder als Ausgangspunkt neuer Plagen.

Ein französischer Anthropologe hat die Menschheit mit einem Haufen Mehlwürmer in einem Mehlsack verglichen: Sie vermehren sich, fressen das Mehl auf und kommen um, noch ehe es aufgezehrt ist, da sie zu allem hin auch noch Gift ausscheiden, das ihren Tod beschleunigt.

Jeder weiß, daß er einmal sterben muß. Aber Bücher, in denen das Sterben eingehend geschildert wird, gehören nicht zu der beliebtesten Lektüre. Es könnte sein, daß der eine oder andere Leser sagt: Schlimm genug, daß sich die Menschheit selbst umbringt; warum soll ich das auch noch im voraus im Detail lesen? 

So war es auch einem Rezensenten in Amerika ergangen; er habe, schrieb er, zunächst einen Bogen um das Buch von Commoner gemacht, um sich nicht selbst durch dessen Lektüre unnötig zu quälen, denn offenbar sei an diesem Prozeß der Selbstvernichtung ja ohnehin nichts mehr zu ändern. Aber dann habe er gemerkt, und auch der Leser wird das im neunten Kapitel zu seiner Beruhigung feststellen, daß Commoner eine wichtige positive Entdeckung macht:

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Wie Commoner überzeugend darlegt, ist die Umweltverschmutzung nicht ein unaufhaltsam im Zuge der Bevölkerungsvermehrung und der Industrialisierung über uns kommendes Schicksal, vielmehr ist die Zerstörung der Natur in besorgniserregendem Ausmaß eine Erscheinung der allerletzten Jahrzehnte und fast ausschließlich eine Folge neuer technischer Verfahren. 

Auch früher haben die Menschen ihre Kleidungsstücke gewaschen, aber sie ruinierten dabei nicht die Flüsse und Seen, denn sie taten es mit Seife, die sich auflöst und von der Natur aufgearbeitet wird, jetzt dagegen verwenden sie, vor allem in Amerika, Detergentien. Mit einem Wort: Es ist vor allem der Übergang von natürlichen zu künstlichen Stoffen, also eine Entwicklung der neuesten Zeit, der die rapide Verdreckung der Umwelt zur Folge hat; mit ihnen wird die Natur nicht mehr fertig.

Hier ein paar Zahlen aus amerikanischen Untersuchungen:

Jedes Jahr wachsen in Amerika die Müllberge um 7 Millionen Autowracks und 21 Millionen fortgeworfene Haushaltsgeräte (Eisschränke usw.), um 180 Millionen alte Reifen, um 118 Milliarden leere Flaschen und Konserven, um 40 Millionen Tonnen Papier und Karton. Amerika allein produziert die Hälfte der Umweltverschmutzung auf der Erde, seine Fabriken bringen jährlich 337 Millionen Tonnen Abfall aller Art hervor. Knapp 20 Millionen Kalifornier werfen so viel Müll weg, daß daraus jedes Jahr eine 2000 Kilometer lange, 10 Meter breite und 30 Meter hohe Mauer gebaut werden könnte. Verglichen mit einem Inder ist ein Amerikaner eine fünfzigmal stärkere Belastung für die Umwelt, usw. usw. (National Civic Review, 1972; Time Magazine 1970).

Die logische nächste Frage: Läßt sich diese — in allen Industriestaaten zu beobachtende — Entwicklung überhaupt noch aufhalten oder gar auf den Stand etwa der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts zurückdrehen? Seine Antwort hierauf gibt Commoner mit einigem Zögern vor allem in den Kapiteln 10 und 12. 

Ausgehend von der Feststellung, daß die Produktion von Waren aus Kunststoffen weit profitabler ist als die von Waren aus natürlichen Stoffen, fragt er, ob es vorstellbar ist, daß eine auf Profit ausgerichtete Wirtschaft davon abgebracht werden kann, das jeweils Profitabelste herzustellen, auch wenn es die Umwelt ungleich mehr verschmutzt als das weniger Profitable.

Wir stehen in der Tat vor dem Problem, ob die Industrie in eigener Regie (unter dem Druck der öffentlichen Meinung und gesetzlicher Maßnahmen) die Umweltverschmutzung zurückkurbeln kann oder ob sie von ihrem Wesen her dazu unfähig ist, in welchem Falle der Schluß zu ziehen wäre, daß sie in staatliche Regie übernommen werden müßte. Daß aber auch damit das Problem nicht schon gelöst wäre, deutet Commoner selbst an, indem er darauf hinweist, daß die östliche Welt, in dem Maße, in dem sie sich industrialisiert, gleichfalls der Umweltverschmutzung unterliegt, daß diese also nicht aus dem herrschenden System zu erklären ist, sondern aus der modernen Technologie. (Wie auf so vielen anderen Gebieten ist übrigens die Umwelt-Diskussion in der UdSSR erst nach der intensiven Befassung des Westens mit diesem Thema in Gang gekommen.)

Diese Frage bleibt also offen, sie kann wohl auch kaum von einem Biophysiker beantwortet werden. Offen bleiben auch viele andere Fragen, etwa die, woher denn die Menschheit in einigen Jahrzehnten, wenn der Vorrat an Erdöl und Kohle erschöpft ist, ihre Energie nehmen soll, es sei denn aus den — der Umweltgefahr verdächtigen! — Kernkraftwerken? 

An diesen Punkten müssen die Leser selbst weiterdenken, auch die Nicht-Naturwissenschaftler, zu denen ich gehöre; sie müssen es tun — nicht als Experten für Kunstdünger oder Automotoren, sondern als Bürger unserer zum ersten Mal seit Millionen Jahren in ernste Gefahr geratenen Erde — der einzigen Erde, die wir haben.

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Klaus Mehnert  

 

 

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