Wolfgang
Hildesheimer

 


1991  Rede an die Jugend -
Mit einem Postscriptum für die Eltern


1993  Ich werde nun schweigen 

Druckfassung eines Gespräches bei Hildesheimer am 20.09.1989

Gesendet im ZDF bei "Zeugen des Jahrhunderts" am 8.4.1990


2016 Jenseits der Pässe   dnb Buch  588 Seiten

Wolfgang Hildesheimer. Eine Biographie

Wikipedia Autor * 1916 in
Hamburg bis 1991 (75)

DNB.Person  

DNB.Nummer (357)

DNB.Name (519)

detopia:

Umweltbuch   H.htm 

1985-Buch   1990-Buch

Sterbejahr

Klages.1913    Horstmann.1991  

Amery.1994     Max.Frisch

 Günter.Kunert    H.Ditfurth 

"....die ehrfurchtgebietende Verwendung des Plusquamperfekts durch Augustinus" 
Wolfgang Hildesheimer (nach einem Hinweis von Antje 2013)

 

  Wolfgang Hildesheimer :  Rede an die Jugend  (1991)  Postscriptum für die Eltern  -     Hildesheimer, Wolfgang - Rede an die Jugend - Ich werde nun schweigen

 

  

Audio

2016  Eine Biografie - Wolfgang Hildesheimer  Biografie mit Stephan Braese, 11 min

2016  Neue Publikationen zum 100. Geburtstag   11 min

2016  Über die Motive von Wolfgang  Hildesheimer  100 Jahre, 50 min

1989  Video - Zeugen des Jahhunderts  (15 min)    Audio - Zeugen des Jahhunderts  - 15 min

1955  Das Opfer Helena - Hörspiel 1955 über Troja  Über männliche Kriegstreiberei, 99 min


Wolfgang Hildesheimer: Die Menschen wurden hilflos wie Tiere.
Warum der Jugend keine Zukunft versprochen werden kann.
Eine Rede ..., in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, vom 13.3.1991, Nr. 61



Schon 1975 hatte Hildesheimer das Ende der Fiktionen erklärt, das das Verstummen des Schriftstellers als notwendige Konsequenz nach sich zieht. Das Verstummen ist aber nicht nur im Versiegen der Erfindungen begründet, sondern hängt auch mit dem Zustand der Welt zusammen, die ihrem unaufhaltsamen ökologischen Kollaps entgegensteuert. Eine Umkehr ist nicht mehr möglich. Es geht nur noch darum, den Untergang mit Würde zu ertragen. 


In den Mitteilungen an Max über den Stand der Dinge (1981), der Festschrift zu Max Frischs 70stem Geburtstag, faßte er seinen Standpunkt in ironischer Brechung noch einmal zusammen. Es war dies der definitive Abschied vom Bücherschreiben. Damit war freilich der Künstler Hildesheimer nicht verstummt, der sich in den folgenden Jahren dem bildkünstlerischen Medium widmete. 

 

 

    

   

dlf   31.08.2009 

dradio.de/dlf/sendungen/lyrikkalender/1024110  

 

In einem spektakulären Interview erklärte der deutsch-jüdische Schriftsteller und Maler Wolfgang Hildesheimer (1916-1991) im Jahr 1983 seinen Abschied von der Literatur.

Er sehe sich außerstande, so Hildesheimer damals, auf das "reale Grauen unserer Tage" mit traditionellen literarischen Mitteln zu reagieren. Er versage sich das Weiterschreiben nicht nur angesichts der heraufziehenden planetarischen Katastrophe, sondern auch aufgrund der Gewissheit, dass die Literatur schon lange "das Ende der Fiktionen" erreicht habe.

Nach seinem Rückzug von der Literatur beschränkte sich Hildesheimer auf die Arbeit an Collagen und anderen bildkünstlerischen Arbeiten - und auf einige wenige Texte und Gedichte, die wie das hier vorgestellte sein geschichtsphilosophisches Endzeitbewusstsein sehr lakonisch resümieren. Aus der alarmistischen Redewendung "Es ist fünf vor zwölf" entwickelt Hildesheimer ein lyrisches Kabinettstück mit apokalyptischer Pointe. 

Antwort - Von Wolfgang Hildesheimer 

Ganz recht, ich sagte,
es sei nicht fünf vor
zwölf, es sei vielmehr halb
drei. Das war um halb
drei. Inzwischen ist es vier. Nur
merkt ihr es nicht. Ihr lest ein Buch
über Kassandra, aber ihre Schreie
habt ihr nicht gehört. Das war
um fünf vor zwölf. Bald ist es
fünf, und wenn ihr Schreie hört,
sind es die euren. 

        

 

VOR 100 JAHREN Der Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer geboren

Kalenderblatt 09.12.2016

vor-100-jahren-der-schriftsteller-wolfgang-hildesheimer 

Von Wolfgang Schreiber

Der Schriftsteller (u.a."Masante", "Klage und Antiklage") Wolfgang Hildsheimer, aufgenommen während der Internationalen Frankfurter Buchmesse im Oktober 1977. Er wurde am 9. Dezember 1916 in Hamburg geboren und ist am 21. August 1991 in Poschiavo (Schweiz) gestorben. (picture alliance / dpa )Wolfgang Hildesheimer gehörte zu den sperrigen Schriftstellern der frühen Bundesrepublik. Der Büchner-Preis-Träger starb 1991 in seiner Wahlheimat Graubünden. (picture alliance / dpa ) Wolfgang Hildesheimer, Sohn jüdischer Eltern, emigrierte 1934 nach Palästina, studierte Malerei in London und war Simultan-Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen. Danach begann er zu schreiben: Essays, Romane und Theaterstücke. Den größten Erfolg errang er mit seiner Mozart-Biografie.

"Der Versuch, in das Wesen eines Genies vom Range Mozarts – erkennend - einzudringen, ist keine Sache des Gelingens oder Misslingens. Die Grenzen potenzieller Erkenntnis sind omnipräsent."

Der Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer glaubte nicht an tiefere Einblicke in den Charakter - und in die Musik Wolfgang Amadeus Mozarts. Und dennoch: Mit seinem Mozart-Buch hat Hildesheimer 1977 Aufsehen erregt. Es war und blieb sein eindrucksvollstes Buch. Hildesheimer verehrte Mozart, den schnulzig vergötterten, kommerziell ausgebeuteten Komponisten, doch er sah in ihm vor allem die Rätselfigur, dunkel und unergründlich.

Büchnerpreis für Hildesheimers "Tynset" 1966

Wolfgang Hildesheimers "Psychobiografie" Mozarts hat Kontroversen ausgelöst über die Seelenzustände des geheimnisvollen Komponisten, über seine beklemmende Fremdheit. Dabei war Hildesheimer selbst längst als eine Rätselfigur der deutschen Nachkriegsliteratur erschienen. Vielleicht konnte er Mozarts komplexe Musik und soziale Fragwürdigkeit deshalb so hartnäckig befragen, weil er selber von tiefer Skepsis befallen war gegenüber der Welt, dem Literaturbetrieb, dem eigenen Schreiben.

Er hatte Beckett und Joyce aus dem Englischen übersetzt, Vorträge gehalten, Essays, Theaterstücke und Romane verfasst. Und für sein Buch "Tynset" 1966 den renommierten Büchnerpreis erhalten. Doch dann überraschte es nicht sehr, als sich Hildesheimer plötzlich vom literarischen Schreiben zurückzog. Lieber widmete er sich der Malerei, seinen Grafiken und Collagen.

"Ich hab eine große Sympathie für Aussteiger. Man könnte argumentieren, dass Schriftsteller-Sein sowieso ein Aussteiger ist. Und dass ich aus der Schriftstellerei ausgestiegen bin, könnte man auch sagen. Ich sehe es nicht so, aber ich analysiere das bei mir natürlich nicht."

Zerstörungswut der modernen Zivilisation

Wolfgang Hildesheimer, am 9. Dezember 1916 in Hamburg als Sohn jüdischer Eltern geboren, besuchte Gymnasien in Deutschland und eine Highschool in England. Er floh 1934 vor den Nationalsozialisten nach Palästina, absolvierte dort eine Tischlerlehre - ging aber nach London zum Studium der Malerei. 1946 dann die Herausforderung: Hildesheimer wurde Simultan-Dolmetscher bei den Nürnberger Prozessen gegen die Nazi-Verbrecher.

Erst danach begann er mit der Schriftstellerei, und er zog sich in die Berge im schweizerischen Graubünden zurück. 1981 der letzte Roman: Die fingierte Biografie "Marbot", der Versuch, allen schriftstellerischen "Fiktionen" zu entsagen. Zu den Motiven des Verzichts gehörte, dass ihm die Zerstörungswut der modernen Zivilisation bewusst geworden war. Ohne Überlebenschance für die Erde? Hildesheimer sah in der Greenpeace-Organisation eine Hoffnung.

"Greenpeace wird letztlich den Untergang unserer Erde nicht verhindern können, aber gerade in der Würde des Scheiterns eines solchen Auftrags liegt die Größe von Greenpeace. Und wenn ich sehe, gestern wieder: Vier Greenpeace-Leute besteigen ein spanisches Verklappungsschiff an vier Stellen, ketten sich an den Ausfluss an und verhindern buchstäblich, dass Dünnsäure in den Golf von Biskaya abgelassen wird - das finde ich großartig."

Pessimismus verbinden mit poetischer Energie

"Das Ende einer Welt", so hieß das Libretto, das Wolfgang Hildesheimer 1953 für eine Funkoper Hans Werner Henzes verfasst hatte – schon damals im Bewusstsein der Zerstörung, die der Menschheit droht. Schopenhauer und Freud eingedenk, konnte Hildesheimer den Pessimismus jedoch mit seiner poetischen Energie verbinden – und das führte ihn ja zum Phänomen Mozart und von dort wiederum in eine Resignation. Denn ihm wurde klar: "Nahe kommen wir Mozart nicht".

Trotz dieses Fazits der vielleicht tiefgründigsten Mozart-Biografie suchte Hildesheimer wenigstens eine Spur der Nähe, seine Annäherung an den rätselhaften Komponisten. Er selbst blieb der Fremde. Am 21. August 1991 starb Wolfgang Hildesheimer in seinem Wohnort Poschiavo in der Wahlheimat Graubünden.

 


 

Weiteres im Web: 

zeit.de/1986/50/Endzeit-nur-ein-Gerede   1986

versalia.de/amazon/Wolfgang_Hildesheimer.html   

dieterwunderlich  Marbot.htm  

dieterwunderlich  tynset.htm  

hoerspiel-ueber-maennliche-kriegstreiberei-das-opfer-helena 1955

dlf   vor-100-jahren-der-schriftsteller-wolfgang-hildesheimer 

zeit.de/1984/49/mehr-worte-weniger-taten 

 

 

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