Friedrich Engels 

Dialektik der Natur

Fragment und Nachlass, 1886-1895

"Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns."


 

wikipedia  Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft 1880, 40 Seiten 

Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft Text auf detopia

Wikipedia.Autor *1820 in Barmen-
Wuppertal bis 1895 (74)

DNB.Name (9333)

Bing.Autor

wikipedia  Marx-Engels-Gesamtausgabe 

 

detopia:

Umweltbuch   Utopiebuch

E.htm   Sterbejahr

 

Karl Marx   P.Lafargue    G.Landauer 

A.Bebel   M.Stirner    W.Humboldt

 

 

 

 wikipedia  Der_Ursprung_der_Familie,_des_Privateigenthums_und_des_Staats 


Grundsätze des Kommunismus 1847

Grundsätze des Kommunismus 1847       wikipedia  Grundsätze_des_Kommunismus  


 


 

Dialektik der Natur

DNB.Buch

mlwerke.Buch 

wikipedia.Buch

Google.Buch    Bing.Buch

Amazon mit Lesen

 

"Es ist ein ewiger Kreislauf, in dem die Materie sich bewegt:

  • ein Kreislauf, der seine Bahn wohl erst in Zeiträumen vollendet, für die unser Erdenjahr kein ausreichender Maßstab mehr ist

  • ein Kreislauf, in dem die Zeit der höchsten Entwicklung, die Zeit des organischen Lebens und noch mehr die des Lebens selbst- und naturbewußter Wesen ebenso knapp bemessen ist wie der Raum, in dem Leben und Selbstbewußtsein zur Geltung kommen;

  • ein Kreislauf, in dem jede endliche Daseinsweise der Materie - sei sie Sonne oder Dunstnebel, einzelnes Tier oder Tiergattung, chemische Verbindung oder Trennung - gleicherweise vergänglich, und worin nichts ewig ist als die ewig sich verändernde, ewig sich bewegende Materie und die Gesetze, nach denen sie sich bewegt und verändert.

  • Aber wie oft und wie unbarmherzig auch in Zeit und Raum dieser Kreislauf sich vollzieht; 

  • wieviel Millionen Sonnen und Erden auch entstehen und vergehen mögen; 

  • wie lange es auch dauern mag, bis in einem Sonnensystem nur auf einem Planeten die Bedingungen des organischen Lebens sich herstellen; 

  • wie zahllose organische Wesen auch vorhergehn und vorher untergehn müssen, ehe aus ihrer Mitte sich Tiere mit denkfähigem Gehirn entwickeln und für eine kurze Spanne Zeit lebensfähige Bedingungen vorfinden, um dann auch ohne Gnade ausgerottet zu werden

wir haben die Gewissheit, daß die Materie in allen ihren Wandlungen ewig dieselbe bleibt; daß keins ihrer Attribute je verlorengehen kann; und daß sie daher auch mit derselben eisernen Notwendigkeit, womit sie auf der Erde ihre höchste Blüte - den denkenden Geist - wieder ausrotten wird, ihn anderswo und in andrer Zeit wieder erzeugen muß."

(Ende der Einleitung der Dialektik der Natur)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Biografisches Skizze

von Thomas Schleper (Oberhausen), 2013

Friedrich Engels wurde am 28.11.1820 als ältestes von neun Kindern des erfolgreichen Manufakturbesitzers und Fabrikanten Friedrich Engels senior (1796­1860) und seiner Ehefrau Elisabeth (1797­1873) in Barmen (heute Stadt Wuppertal) geboren. 

Seit 1829 war Friedrich Engels Schüler der Stadtschule Barmen und besuchte ab 1834 das Elberfelder Gymnasium, welches er 1838 – ein Jahr vor dem Abitur – auf Wunsch des Vaters verließ, um eine vierjährige Kaufmannslehre anzutreten. Diese führte ihn nach Bremen.

Mit seinem Vater geriet Engels immer wieder in Streit, weil er schon früh einen Widerspruch zwischen pietistischer Frömmigkeit und kapitalistischer Realität aus eigener Anschauung erfuhr, um daraus eigene Konsequenzen zu ziehen. So verdiente er als 19­jähriger unter dem Pseudonym Friedrich Oswald erste öffentliche Lorbeeren mit den berühmten „Briefen aus dem Wupperthal", die diese Widersprüche wortgewandt geißelten.

Gegen den Wunsch des Vaters absolvierte Friedrich Engels 1841 seinen Militärdienst als Einjährig­Freiwilliger beim Garde-Fußartillerie­Regiment in Berlin. Den Aufenthalt dort nutzte er, um an der Königlichen Friedrich­Wilhelms­Universität zu hospitieren. So besuchte er Vorlesungen in Philosophie, orientalischen Sprachen und Finanzwesen. Er verkehrte in Berlin zudem in freigeistig­anarchisch und linkshegelianisch gesinnten Kreisen, durch die sein späteres politisches Wirken maßgeblich geprägt wurde. Ein Motto aus einem seiner Texte dieser Jahre scheint die Aufbruchstimmung einer geistigen Inkubationszeit zu beschreiben „Leb´ ich in Zukunftsträumen, freien, dreisten".

1842 traf Engels in Köln erstmals auf Karl Marx, Chefredakteur der sich radikalisierenden „Rheinischen Zeitung". Enge Kontakte unterhielt er auch zu dem jüdischen Philosophen Moses Heß. Von 1842 bis 1844 setzte Engels die Ausbildung in der väterlichen Baumwollspinnerei in Manchester fort. Das Jahr 1844 markiert den Beginn der intensiven, 1.400 Briefe umfassenden Korrespondenz mit dem in Paris lebenden Marx. Zur gleichen Zeit schrieb er Beiträge für die von Marx und Arnold Ruge (1802­1880) herausgegebenen „DeutschFranzösischen Jahrbücher".

Im Februar des Jahres 1845 kam es in Elberfeld zu ersten kommunistischen Versammlungen, an denen sich Engels aktiv beteiligte und wo er als Redner auftrat. 1846 übersiedelte er zu Marx nach Brüssel und unternahm mit ihm Reisen nach London und Manchester. Erstmals unter eigenem Namen erschien in diesem Jahr seine wegweisende Schrift "Die Lage der arbeitenden Klasse in England". 

1847 trat Engels in London dem kommunistischen „Bund der Gerechten" bei, den er mit Marx noch im selben Jahr zum „Bund der Kommunisten" umwandelte. 

Im Revolutionsjahr 1848 veröffentlichte Engels das mit Marx konzipierte „Kommunistische Manifest" und war darüber hinaus als Redakteur für die Neue Rheinische Zeitung tätig.

Im Frühjahr 1849 nahm er zunächst aktiv an den Barrikadenkämpfen in Barmen und Elberfeld, dann am Badischen Aufstand teil. Nach der Niederlage der von Friedrich Hecker (1811­1881) geführten demokratisch-republikanischen Freischärlerverbände floh Engels, mittlerweile steckbrieflich gesucht, in die Schweiz. Im Herbst 1849 emigrierte er nach England, wo er ab 1850 zunächst als Prokurist wieder in das schützende väterliche Geschäft in Manchester eintrat. 

Hier führte er bis 1870 ein Doppelleben als geschickter Geschäftsmann mit getarnten revolutionären Absichten und kommunistischen Aktivitäten. 

Der Tod des Vaters im Jahre 1860 machte ihn durch die stattliche Erbschaft unabhängig, so dass sich Engels schließlich ganz vom „hündischen Commerce" abwandte, 1869 seine Firmenanteile verkaufte und nach London, in unmittelbare Nähe zu Marx, übersiedelte. Obwohl Friedrich Engels spätestens nach dem Tod von Karl Marx zur führenden geistigen Persönlichkeit des internationalen Sozialismus aufstieg, sah er sich selbst zeitlebens in der Rolle des im Hintergrund agierenden Organisators. In den Mittelpunkt stellte er sich nie. Allein seine uneigennützigen Dienste für Marx reichten fast bis zur  Selbstverleugnung. Engels unterstützte seinen Freund nicht nur finanziell, sondern stand ihm auch bei seinen  wissenschaftlichen Publikationen mit kritischem Rat zur Seite.

Als praktizierender Kapitalist war Engels der versierte Ökonom und Pragmatiker. Seine rasche Auffassungsgabe, seine flinke, prägnante, auch polemische, ja gelegentlich verletzende Feder, seine Vielsprachigkeit und sein Gespür für Öffentlichkeitswirkung kamen hinzu. Engels stellte Zeitpläne auf, drängte Marx, Abgabetermine einzuhalten. Er selbst schrieb säumige Artikel unter Marxens Namen. Es gibt Passagen im Marx­Engels­Gesamtwerk, wo die Anteile beider nicht genau zu unterscheiden sind. Mit viel Akribie widmete sich Engels in seinen letzten Lebensjahren der Herausgabe der Werke des 1883 verstorbenen Freundes.

Engels habe gerne, wie er erklärte, die „zweite Violine" gespielt, weil er neidlos die erste, nämlich die von Marx, als „so eine famose erste Violine" anerkannte. Als das Äußerste an Freundschaftsdienst aber muss wohl eine Inszenierung der besonderen Art gelten. Bis kurz vor seinem Tod am 1895 in London gab sich Engels als Vater von Frederick Demuth (1851­1929) aus, dem unehelichen Sohn von Marx und seiner Haushälterin Helena Demuth (1823­1890). Aus Rücksicht auf seine Frau und aus Furcht vor einem öffentlichen Skandal hatte Marx die Vaterschaft geleugnet.

War Engels im Vergleich zu Marx der freiere Bürgerssohn und unabhängigere Kritiker des Kapitalismus? 

Sicherlich unterschätzten die radikalen Kritiker die Fähigkeit des Kapitalismus, auf Krisen zu reagieren. Dafür überschätzten sie den revolutionären Elan der Arbeiterschaft. Die Rolle des Staates in einer kapitalistischen Gesellschaft wurde nicht angemessen analysiert, auch nicht die Lernfähigkeit einer Gesellschaft erkannt. 

Marx und Engels sahen nicht die strategischen Optionen und die befriedenden Wirkungen der modernen Konsumgesellschaft voraus, geschweige denn das Repertoire an Möglichkeiten medial stimulierter Bedürfnisformung beziehungsweise ­manipulation. 

Sie erahnten nicht die Konsequenzen einer „zunehmenden Virtualisierung der Ökonomie" (Achatz von Müller). Die Analysen von Marx und von „Dear Fred" sind, so Iring Fetscher, als „Orientierungsmittel innerhalb der heutigen Welt partiell obsolet und ergänzungsbedürftig geworden".

Viel Skepsis und Realismus steckt in Engels´ Rückblick auf den Sozialutopisten Charles Fourier (1772­1837): „Er spricht es zuerst aus, daß in einer gegebenen Gesellschaft der Grad der weiblichen Emancipation das natürliche Maß der allgemeinen Emancipation ist". Engels´ Schrift „Der Ursprung der Familie" von 1884 gilt vielen noch immer als eines der einflussreichen Dokumente der Weltliteratur zugunsten der Emanzipation der Frauen.

Ganz im Widerspruch zu Engels´ gelegentlich ungestümen Begeisterung für die Fortschritte in Naturwissenschaft und Technik beschrieb er im  Anti­Dühring" von 1878 die für die Natur verheerenden Folgen der Industrialisierung: dass nämlich Fabrikstädte „alles Wasser in stinkende Jauche" verwandeln. 

Es klingt so nachdenklich wie grundsätzlich, wenn er in der nachgelassenen Schrift „Dialektik der Natur" festhält: „Schmeicheln wir uns indes nicht zu sehr mit unsern menschlichen Siegen über die Natur. Für jeden solchen Sieg rächt sie sich an uns.

So brachte auch die „zweite Violine" bedeutende Werke hervor, die deutlich genug geistige Eigenständigkeit dokumentieren.

Es wäre wohl zu harmlos gedacht, dass neben der in Berlin studierten Dialektik auch rheinisches Temperament Engels´ Zuspitzungen und Übertreibungen begünstigt hätten, die ihn ebenso für Dogmatiker attraktiv machten. Der Materialist Engels aber hat sich selbst als Aufklärer im Sinne von Humanität und Vernunft verstanden und ist dafür oft über Gebühr beansprucht worden. 

So bleibt im Rückblick auf dieses von Antagonismen bestimmte Leben vielleicht der Wink, mit Widersprüchen zu leben, um „frei und dreist" daraus zu lernen.

Gelegenheit zur Prüfung dieser These bietet neben umfangreichem Schriftgut auch die kleine Dauerausstellung im Wuppertaler Historischen Zentrum, Museum für Frühindustrialisierung. Im Engelshaus in der Engelsstraße und in Reichweite des umstrittenen Engels­Denkmals ist sie dem berühmt­berüchtigten Sohn der Stadt gewidmet.

Obwohl Friedrich Engels den größten Teil seines Lebens in England verbrachte, blieb er seiner rheinischen Heimat stets eng verbunden. Seine durch den Biographen Gustav Meyer (1871­1948) überlieferte wehmütige Liebeserklärung an das Rheinland legt davon Zeugnis ab: „ … als er die Türme des Kölner Doms vor sich aufsteigen sah, äußerte er bekümmert zu seinen Begleitern: „Dies schöne Land, wenn man darin nur leben könnte!"

 

7.3.2013, Thomas Schleper (Oberhausen) 
Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die URL und das Datum Ihres Besuches an.
Besuch von detopia in Oberhausen im Sommer 2019

 

 

 

^^^^

   (Ordner)   www.detopia.de

Friedrich Engels  Dialektik der Natur Fragment und Nachlass 1886-1895