Carl Amery

Christian Anton Mayer
Der große Ökosoph aus Bayern
und Mitbegründer der grünen Partei.

Wikipedia.Autor  *1922 in München bis 2005 (83)

DNB.Autor   DNB.Amery

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detopia  A.htm   

Umweltbuch   Sterbejahr

H.Ditfurth   H.Gruhl    R.Jungk 

P.Kafka   H.Duerr    H.Böll 

  

1985

1994  Botschaft

1987-2005

1991, 352 Seiten    -

 

      

   

  

    

Schriften von Carl Amery:

 

1967:  Audio in München mit Carl Amery, 7min in der deutschen Welle

1972:  Das Ende der Vorsehung - Die gnadenlosen Folgen  des Christentums  

1976:  Natur als Politik - Die ökologische Chance des Menschen 

1985:  Die ökologische Chance   1972 und 1976 in einem Band, leicht gekürzt 

1985:  Die starke Position oder Ganz normale MAMUS  (8 Satiren)

1991:  Bileams Esel - Konservative Aufsätze  Mit einem Vorwort von Walter Jens 

1994:  Die Botschaft des Jahrtausends - Von Leben, Tod und Würde  

1998:  Hitler als Vorläufer. Auschwitz - der Beginn des 21. Jahrhunderts?  

1999:  Erleben wir Wirklichkeit!  Ein Spiegel-Kurzartikel

2002:  Global Exit. Die Kirchen und der totale Markt  

2005   Briefe an den Reichtum  (Herausgeber)

2007:  Arbeit an der Zukunft (Essays 1987-2005)

 

 


Mehr

schumacher-gesellschaft.de/carl-amery 

Zum 80sten Geburtstag (2002)   

umweltdebatte  amery-beitraege.htm 

 


 

Carl Amery gestorben

Nachruf von Volker Kempf

herbert-gruhl.de  

 

Carl Amery, der am 24. Mai 2005 im Alter von 83 Jahren verstarb, war einer der ersten ökologisch orientierten Wachstumskritiker im deutschsprachigen Raum. 2002 schrieb Amery in “Die Kirchen und der totale Markt" (2002) in gewohnter Radikalität: "Es ist vorauszusehen, dass die Lebenswelt, wie wir sie kennen und bewohnen, im Laufe des anhebenden Jahrtausends zusammenbrechen und unbewohnbar werden wird."

Der Katholik Amery sah sich aber nicht als Pessimist, sondern als "Diagnostiker", urteilt der “Spiegel”. Die Diagnose Amerys ist damit im Ergebnis von derjenigen Herbert Gruhls kaum zu unterscheiden. Der eine hatte in seiner Kulturkritik mehr einen christlichen Hintergrund, der andere einen mehr naturwissenschaftlichen. Ob es wirklich eine “Tragische Koinzidenz” ist, daß Amery just in der Zeit verstarb, als für die Grünen das Ende des rot-grünen Projekts durch ausgerufene Neuwahlen feststand, wie die FAZ am 1. Juni urteilt, darf bezweifelt werden.

Möglich, daß Amery, der einem schwarz-grünen Projekt zugeneigt war, die Politik der Grünen für ökologisch so überzeugend gar nicht hielt. In die Politik mußte er mehr hineingezogen werden, als daß er ein Antreiber war. Sein Engagement in der Gründungsphase der Grünen blieb ein kurzes Intermezzo. Damit gewann er Zeit zum Schreiben, das entsprach mehr seiner Natur.

Auf jeden Fall ist mit Amery ein großer ökologischer Vordenker verstorben. Ihn mit einer großen Tageszeitung als "fröhlichen Apokalyptiker" zu bezeichnen, wäre hingegen etwas süffisant. Ein wacher Zeitgenosse erblickt darin die Oberflächlichkeit der Medien. Da hilft nur, seine Bücher selbst zu lesen, um sich von seinem unbestechlichen Blick und seiner Formulierungsgabe selbst beeindrucken zu lassen.  #

 


 

Neues Deutschland, 1.6.2005

Von Sabine Neubert 

 

Sein Tod ist ein Verlust, nicht nur für Deutschland, sondern ein globaler. Denn solche Stimmen wie die Carl Amerys sind weltweit selten geworden. Bis zuletzt hat er mit deutlicher Rede Missstände angeprangert, an das Gewissen der Menschen appelliert. Erst vor kurzem noch hat der 83-Jährige ein Buch mit »Briefen an den Reichtum« herausgegeben, das, kaum auf dem Büchermarkt, zum Bestseller wurde. 

Nun wird seine Stimme fehlen, aber seine Bücher werden weiter gelesen – manchen unbequem, vielen eine Hoffnung.

Am besten hat ihn wohl sein »Kombattant aus Tagen der Gruppe 47« Walter Jens charakterisiert: »Ein Einzelkämpfer, der auf Solidarität vertraut, ein Rufer in belebter Gartenwelt (nicht in der zukünftigen Wüste, noch nicht), ein Bayer und Kosmopolit, ein Aufklärer, der auf Bewahren und Behüten ausgeht (sofern es sich lohnt), ein konservativer Rebell, der zugleich radikal und behutsam, zornig und sanft ist.« Das war 1991 im Vorwort zum Essayband »Bileams Esel«. 

Carl Amery hatte damals schon ein großes Lebenswerk geschaffen, hatte Romane geschrieben (»Die große Deutsche Tour«, »Die Wallfahrer«, »Das Königsprojekt«, »Das Geheimnis der Krypta«) und sich mit Essays in aktuelle öffentliche Diskussionen eingemischt. Davon zeugen die Titel: »Die ökologische Chance« und »Die Kapitulation oder der real existierende Katholizismus«.

Er attackierte blinden Fortschrittsglauben und – hellsichtig – die »Wiedervereinigungs«-Euphorie, sprach von »Anschluss«, als das kaum einer hören wollte. Und er mahnte immer wieder globale Probleme an: die Weltbevölkerungsexplosion, das Millionensterben in Kriegsgebieten, die Klimaveränderungen und das durch Profitgier verursachte Tiersterben. Für dies alles gibt es, so Amery, kein moralisches Alibi, für die Politiker nicht, für die Kirchen nicht und auch für jeden Einzelnen nicht. »Die ganze Gesellschaft hat sich angewöhnt, über die irdischen Verhältnisse zu leben.«

Christian Anton Mayer, der sich später Carl Amery nannte, wurde am 22. April 1922 in München geboren, er studierte Sprachen und Literaturwissenschaften und wurde, wie erwähnt, als freier Schriftsteller Mitglied der »Gruppe 47«. In den siebziger Jahren wandte er sich vor allem ökologischen Problemen zu (1979 Deutscher Preis für Denkmalschutz). In der Zeit entstand unter anderem das Buch »Natur als Politik«, 1985 »Die ökologische Chance«.

Die Bewahrung der Schöpfung, die Rettung der Erde als einer von Menschen bewohnbaren Biosphäre blieb lebenslang das Thema des streitbaren Katholiken. Zunehmend erschien ihm dies allerdings als »ein fast unwahrscheinliches Unterfangen angesichts des kollektiven Selbstmordes der Menschheit«.

Auch im fortgeschrittenen Alter blieb Carl Amery aktiv. 1989 bis 1991 war er Präsident des bundesdeutschen P.E.N.-Clubs. Und er schrieb weiter. Noch deutlicher als zuvor appellierte er in seinem Aufsehen erregenden Buch »Global Exit« (2002 bei Luchterhand erschienen) an die Kirchen als letzte globale Institution, durch die vielleicht noch ein »Exodus«, ein »Auszug aus dem Sklavenhaus des globalen Kapitalismus«, möglich sein könnte. 

Er hat bis zuletzt die Hoffnung auf Veränderung, auf Rettung nicht aufgegeben. Nie war er bloß ein Schreibtisch­mensch, ein Theoretiker, immer war er ganz konkret. Auch in den letzten Jahren reiste er noch, hielt Vorträge, beteiligte sich an Diskussionen. 

Nach Erscheinen von »Global Exit« habe ich ihn bei einem Gespräch zu diesem Buch mit Bischof Wolfgang Huber in der Berliner Literaturwerkstatt erlebt. Allgemeinen menschenfreundlichen Aussagen stellte er seine klaren Fragen gegenüber: Wie kann die Erde als bewohnbarer Planet erhalten bleiben? Wie stellt sich die Kirche zu dieser Hauptaufgabe, will sie nicht in Bedeutungslosigkeit absinken?

Carl Amery war kein bequemer, aber ein geduldiger Frager gewesen. Zuletzt versammelte er in den »Briefen an den Reichtum« die konkreten Vorschläge seiner Mitstreiter wie Rupert Neudeck, Oskar Negt oder Hermann Scheer für eine bessere und gerechtere Welt. Das Buch ist sein Testament für zukünftige Generationen. #

 


 

 

 

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