Franz Alt, Rudolf Bahro, Marko Ferst 

Wege zur ökologischen
Zeitenwende

Reformalternativen und Visionen 
für ein zukunftsfähiges Kultursystem

 

 

2002 bei Edition Zeitsprung Berlin 
ISBN 3-8311-3419-7
322 (336) Seiten

Wege zur ökologischen Zeitenwende  (2002)  Franz Alt, Rudolf Bahro, Marko Ferst  --  Reformalternativen 

detopia.de   ((Bahro.Start))

2002  

DNB  Zeitenwende 

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umweltdebatte.de  Homepage von Marko Ferst 

Mit freundlicher Gestattung des Autors für detopia.de (bis auf Widerruf).

Es funktionieren hier die Internetlinks und die im Ordner und einige andere.

 

detopia-2018: Bahro 1987   Flechtheim 1987   Rieseberg 1988

 

Inhalt

 

Einleitung (7) Ferst

 

Literatur  (323)  

Anmerkungen  (328)

Die Autoren  (333)

 


Herausgegeben von Marko Ferst
mit Unterstützung der
rosa-luxemburg-stiftung-sachsen.de  

Umschlag: Marko Ferst 

Umsetzung: Heike Müller 

Technische Unterstützung: Firma 
Thomas Ferst Computer ferst.de

Druck: Books on Demand, 
Norderstedt 

Marko Ferst: Die ökologische Zeitenwende. 
Plädoyer für ein zukunftsfähiges Kultursystem (175-322)

 1  Epochenschnitt  (175)  

 2  Äußere Symptome der globalen Naturzerstörung  (177) 

 3  Der Flop Ökomodernisierung  (186)  

 4  Wird der ökologische Notstand unausweichlich?  (193)

 5  Effizienzrevolution und Faktor 10  (195) 

 6  Die solare Energiewende   (198)  

 7  Grundriß für den ökologischen Umbau des Steuersystems (206)  

 8  Von der Schuld des Nordens (213)  

 9  Eine politische Allianz gegen den Selbstmordkurs (221)  

10  Zur Umgestaltung des Regierungssystems (231) 

11  Der neue Bundesrat  (242)

12  Wann wird Europa demokratisch? (246) 

13  Die Grenzen von Mehrheits­entscheidungen (248) 

14  Medien und ökologische Krise (259) 

15  Von Schuld, Sühne und Zwischen­tönen (267) 

16  Evolution von Innen (272)

17  Der emanzipierte Mensch als Ziel (275) 

18  Auf dem Weg zu einer hohen, liebevollen Kultur  (280)

19  Die ökotopianische Zukunftsgesellschaft  (284) 

20  Ökologische Zukunfts­forschung (302)   

21  Neue Lebensformen in ihrer Entwicklungslogik (308) 

22  Eine Regierungs­erklärung (314-322)

Rudolf Bahro: 
Die Prüfung durch die ökologische Krise. 
Interviews, Vorlesungen und ein Aufsatz. (13-122)

 

1. Wir brauchen eine Instanz für das Naturverhältnis  (13)  Interview 1994

2. Die Idee des Homo integralis, oder ob wir eine neue Politeia stiften können (21)

3. Über die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland": Drei Vorlesungen (31)

  • "Tugend des Unterlassens" oder von den Erwartungen an die Gesellschaft (Vorlesung 10/1996)  (31-48)   

  • "Subsidiarität und Äquivalenz" oder von den Erwartungen an den Staat  (Vorlesung 11/1996)  (49-66)  

  • Ökologisch-soziale Landeskultur als Prüfstein  (Vorlesung 11/1996) (68-83) 

4. Tektonik des Verderbens (1992) Gespräch Rudolf Bahro mit Arno Bammé (84-118)

 

 

Franz Alt und Marko Ferst: Gespräch (123-173)
Ökologisches Umhandeln ist möglich

  • Die ökologische Herausforderung (123)

  • Radikale Abrüstung – das Gebot der Stunde (152)

  • Zukunftsfähiges Leben und Arbeiten (154)  

  • Politik, Demokratie und Zukunfts­fähigkeit (161) 

  • Die In-Weltkrise und der spirituelle Weg (164)  

 

((detopia-2016:  Ordner  Klimabuch  M.Ferst   F.Alt   R.Havemann   S.Sohr  E.Fromm   G.Brandt   C.Lauterburg ))

 

 

Mehr

 

 


 

detopia-2014:

Ein großartiges Buch, und zwar der Teil 3 ab S.175; ein "Buch im Buch", also ein eigenständiges Buch von M.Ferst.

Eine gründliche Analyse der Lage und der verbliebenen Handlungs­möglichkeiten.

Ob das Buch einmal, berühmt wird - bei der heutigen Überproduktion von Büchern? 

"Das letzte Buch der Welt von Bedeutung" und ein endlich der "Volksbahro".

Ich finde das Buch ideal, besser kann man es nicht machen. 


detopia-2013:
Dies ist - Ferst ab S.175  - das letzte Buch der Welt von Bedeutung. Warum? Weil hier jemand den Ausweg volksverständlich darstellt. Das hatten wir bisher noch nicht. --- Einen noch besseren Ausweg kann es - aus theoretischen Erwägungen nicht geben. ---
Mein Detopia ist ja nur Art Notgesellschaftsordnung, wie Bolo und Panokratie; obwohl sie theoretisch ideal; aber in der Praxis ist sie "zu groß". --- Man lese auch "Ferst letzter Hand", sein Pläydoyer im Havemannbuch 2010. 

Auf Seite 264 vermutet M.F. auch, dass eine sozial-ökologische Marktwirtschaft wohl nicht der ökonomisch-menschlichen Weisheit letzter Schluss sein kann. Leider deplaziert bzw. "versteckt" im Medienkapitel 14 - ich sah es erst heute in klarer Bedeutung. Denn das ist ja das entscheidende für mich. 

Dieses Buch ab Seite 175 von Marko Ferst ist der von mir seit zehn Jahren erwünschte "Volksbahro" - als Kurzwort für einen "volksverständlichen Bahro". 

 

Leider habe ich das erst jetzt erkannt, obwohl ich das Buch zügig 2003 von ihm bekam. (Die Klimasache war mir damals noch zu neu.)

 

Damit meine ich Ferstens Teil 3. Ein echter Volksbahro darf auch nicht - unnötig zu - lang sein.

 

Möglicherweise klärt man mich auf, dass in Teil 1 und 2 etwas steht, was in Teil 3 dann nur dünn besprochen wird. (Dann muss man dies natürlich mitnehmen. Dann ist es unverzichtbar.)

 

Ferstens Kultursystem ist die anschauliche und aktualisierte Version von <Logik der Rettung>. 

 

   Weil Marko in seinem Teil 3 wesentliche  alternative Literatur (wie Bolo, Callenbach, Havemann) und reale Projekte nennt und bespricht, würde ich nur noch meine Utopie1 hinzusetzen, und dann wäre alles vollständig.... was Vordenker leisten können.

    Markos Öko-Vorschläge sind unabweisbar notwendig, von der jetzigen deutschen Volksmasse ungewollt; sie wären der nächste Schritt. 

   Utopie1 geht noch einen Schritt weiter und sie wäre erst der übernächste Schritt; ich denke Markos System muss um 2050 in die Utopie1 münden; wie auch Bahros System und andere guten Öko-Polit-Systeme. 

 

Weil mir die Weltrettung aussichtslos erscheint, setze ich auf das (göttliche) Wunder, mit dem die Leute (plötzlich - eines Tages) das wollen, was richtig ist....wenn es sich als richtig beweisen lässt. 

 

Man muss jetzt hauptsächlich dieses Buch von Marko verbreiten, aber auch zügig eine Broschüre mit der Utopie1-Beschreibung in jeden Haushalt bringen.

 

Noch besser:
Ferstens Teil3 soll einzeln als Taschenbuch erscheinen. Noch besser: Utopie1 auf 30 Seiten im Anhang. Noch besser: Utopie1 vorne, weil die Bürger schneller das Prinzip erkennen, denn Markos Buch ist sehr ausführlich, detailgenau; da kann es sein, dass das Buch zwar oft gekauft würde, aber nur wenig gelesen. #

  


Das letzte Buch der Welt von Bedeutung?

 28.12.2013 von Ulf Turlach bei Amazon zum Buch Zeitenwende

 

Teil 3, von Marko Ferst selbst geschrieben, von Seite 175 bis 322 (147 Seiten, die als 18-cm-Taschenbuch wohl 300 Seiten ergäben) erscheint mir wie "das letzte Buch der Welt von Bedeutung". Einmal sollte als Einzelbuch bei einem klangvollen Verlag erscheinen.

Die beiden ersten Buchteile mit F.Alt und R.Bahro (bis S.172) bieten auch Neues, auch heute noch, 2013 (Das Datum von Amazon ist falsch.) Marko Ferst jedoch fasst unser gesamtes Ökorettungswissen zusammen: Fasslich und 'ununtertreffbar leicht' lesbar. DESHALB die enorme Bedeutung, die ich in das Buch reininterpretiere. (Was kann uns wichtiger sein als Rettung?)

Und weil der Autor aus der Bahroschule kommt und "der Meister" (Ja!) im Buch selbst spricht (bis S.120) und Ferst ihn in seinem Buchtteil mehrmals erwähnt, so sage ich: "Dies ist nun endlich der 'Volksbahro', auf den ich so viele Jahre warten musste."

Den 'Volksbahro' brauchten wir seit 1987, seit <Logik der Rettung> (Buch von Bahro), welches aber für den Normalverbraucher schwer verdaulich war (selbst der Ökofreak streikte). Außerdem setzt M. Ferst heute seine eigenen "Schwerpunkte" (so nennt er Meinungsverschiedenheiten) und das ist höflich formuliert. Das ist eine echte Weiterentwicklung von Bahros Position. "Das ist zwar noch Bahro" (also auch Volksbahro), aber 30% der Sichtweise ist 'Original-Ferst'.

Ferst nimmt kein Blatt vor'm Mund. Danke. Er redet nicht drumherum. Er beschreibt die ökologische Gesamtsituation, so wie sie nunmal ist. Herrliche Klarheit! Ferst bietet die ganz große Zusammenschau, fast wie Kulturphilosoph. Eine vollständige Gesamtschau ist es nicht; dann hätte die Volksverständlichkeit gelitten; das Buch wäre ausgeufert. Aber er bietet auf 5 Seiten an: "Ausgewählte Literatur zur kritischen Auseinandersetzung" (außer seinen 166 Anmerkungen auf ebenfalls 5 Seiten). Und hier sehe ich alles, "was Rang und Namen hat"; also geht das für mich klar, dass er auf die breite Ausführung einige Ökopax-Zukunfts-Themen verzichtet hat. (wie etwa die organisierte Kriminalität; außerdem muss man sich als junger Autor nicht über alles äußern; dass macht einen unseriösen Eindruck).

===> Seine Literaturempfehlung will ich hier dennoch ergänzen, weil wir kurz vor <Vollständig> sind und die Chance auf den Abschluss der Ökodiskussion genutzt werden muss. Zum einen gehört für mich in das Verzeichnis (nicht unbedingt in den Lauftext) das Buch von Gregory Fuller: <Das Ende: Von der heiteren Hoffnungslosigkeit im Angesicht der ökologischen Katastrophe> von 1993, auf deutsch geschrieben. (Das ist eigentlich nur eine Broschüre. Egon Ammann Verlag verdanken wir die Erstauflage; und dem Fischerverlag die Volksausgabe, und hier wahrscheinlich Willi Köhler, einem der großen Lektoren, die Deutschland hatte). Zum anderen das Buch vom Schweizer Christoph Lauterburg: <Fünf nach Zwölf: Der globale Crash und die Zukunft des Lebens> von 1998, beim renommierten Campusverlag erschienen (wahrscheinlich hat der Autor den Verlag mit seinem (anderen) Bestseller 'erpresst'; aber das ist nur eine Vermutung und ein Scherz.) Beide Autoren sind 'Seiteneinsteiger' auf unserem Ökopaxgebiet, und uns vorher hier noch nicht 'aufgefallen'; also auch noch nicht 'reputiert' bzw. 'renommiert', wie unsere Ökoklassikerautoren (Amery, Gruhl, Ditfurth, Illich, Mumford, usw.) Soweit dazu.

===> Zurück zu Ferst: Er traut sich an die Wende ran und an die psychischen Bedingungen im Volk dafür und dagegen. Das ist ein Novum! Das hatte wir so noch nicht. Erst jetzt sind wir vollständig. - Fuller schreibt nur: "Weltweiter Paradigmenwechsel!" und schweigt. - Lauterburg lehnt sich zwar weiter zum Fenster raus: "Es soll hier nicht behauptet werden, es sei von vornherein unmöglich, daß der Mensch - mit den Anlagen, die er im Laufe der Evolution erworben hat - friedlich in großen Gesellschaften leben kann. Als Kulturwesen und Weltmeister der Anpassung müßte er - so scheint es - dazu grundsätzlich in der Lage sein. Theoretisch — ich betone: theoretisch — wäre er es wohl auch." - aber irgendeinen staatlichen Machtwechsel erwähnt er nicht. - Nebenbei: U.Horstmann, G.Kunert, W.Hildesheimer verweigern auch jegliches Wort über einen - theoretischen - Ausweg. - Deshalb waren wir bis heute - 'bis Ferst' - noch nicht vollständig! Erst wenn wir den Rettungsweg vor uns sehen und sagen: "Der ist uns zu schwer!", erst dann ist es bewiesen, "dass nichts mehr geht". (Erst dann ist es <Fünf nach Zwölf> und es ist <Das Ende>)

Der Autor Ferst beschreibt also vollständig und volksverständlich den Rettungsweg, den Ausweg, den Weg in eine erträgliche Zukunft (für die Deutschen, also ganz konkret). Dazu musste man vielleicht jung sein. Idealist. Visionär. Gläubig. Denn man muss von kleinsten massenpsychischen Wahrscheinlichkeiten ausgehen und sich einbilden, sie würden wachsen auf 100%. - Aber er hat es durchgestanden. Gut gemacht! (Ich weiß, wovon ich rede; man kann irre dabei werden, bei dem ganzen Utopismus.)

Auf 18 Großseiten fördert der Autor auch unsere Einbildungskraft im Kapitel: "Die ökotopianische Zukunftsgesellschaft". Und unsere Innovationskraft anstoßen will er im Schlusskapitel: "Eine (ökologische) Regierungserklärung" auf 8 Seiten. - Mehr kann man nicht tun! Nun ist das Volk dran. Und "das Volk" sind zuerst einmal die Vorreiter, die ökologischen Leser, die "Multiplikatoren". Es sollen nun keine neuen Öko-Bücher mehr geschrieben werden, sondern die vorhandenen gelesen und ausgewertet werden. - Deswegen bin ich auch gegen den (Pleite-) Suhrkampverlag eingestellt, der uns heuer ein neues Weltuntergangsbuch 'reindrückt' (Stephen Emmot: 10 Milliarden), in dem aber reinweg gar nichts geschrieben steht, was wir nicht seit 1980 wissen; schon 1959 hat A. Huxley sein großartiges locker lesbares Ökosachbuch "Revisited" veröffentlicht: auch in Deutschland.)

Abschließen will ich mit den letzten Sätzen des Buches, weil hier zwei wesentliche Aspekte einer möglichen bzw. theoretischen bzw. utopischen Öko-Wende erwähnt werden, die in früheren Ökobüchern fehlten oder zu kurz kamen:

=> "Wir werden also eine neue Sozial- und Eigentumsordnung ansteuern müssen, weil anders soziale Gerechtigkeit unter den Verhältnissen ökologischer Genügsamkeit nicht hergestellt werden kann. Die ökonomische Globalisierung erwies sich als eine Sackgasse, in die uns die hemmungslose Profitgier der Konzernwelt hineinstürzte, flankiert und zum Teil unterstützt von einer bedenkenlosen Politik. Ökologische Ökonomie ruht auf den Fundamenten der Regionen. Der bevorstehende sozialökologische Strukturwandel wird umfassender und schwieriger sein als alle vorhergehenden Umwälzungen und Reformen in der Menschheitsgeschichte.

Sie dürfen damit rechnen, daß meine Regierung alle Register zu ziehen bereit ist, um die erforderliche Umgestaltung zu beginnen. Eine lebenswerte Zukunft wird es aber nur geben, wenn genügend Menschen nicht nur zuschauen und sich darüber auslassen, wie verquer sich die politische Klasse wieder anstellt, sondern wir brauchen aktive Bürgerinnen und Bürger, die mitdenken und mitanpacken, das ihrige tun, damit die ökologische Neugestaltung der Gesellschaft eine gelungene Kontur gewinnt. Bitte denken Sie darüber nach, welchen eigenen Beitrag Sie dazu leisten könnten. Prüfen Sie, welche Möglichkeiten Ihnen gegeben sind, und lassen Sie diese nicht ungenutzt! Setzten sie sich auch gegen Widerstände durch. Nur gemeinsam können wir es schaffen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit." <=

Ende der 'Regierungserklärung', des Buches <Ökologische Zeitenwende>, und meiner Rezension Ende 2013 Die beiden Aspekte sind: 1. Eigentumsordnung und 2. Volksinitiative 

 

Mit Hoffnung in die Zeitenwende?   
2005 bei Amazon von Cust...

 

Das Buch ist eine äußerst gelungene und gut verständliche Einführung in die ökologische Thematik. Marko Ferst zeigt sehr eindringlich, welchen dramatischen Gang die Klimakatastrophe nehmen kann, in welch raschem Tempo der Artenschwund voranschreitet. Da sehen die Schönfärber im Dienste von Industrie und Wirtschaftspolitik a la Miersch und Maxeiner ganz alt aus. 

Beachtenswert ist Rudolf Bahros Wandel vom DDR-Dissidenten zum Sozialökologen. 1977, glaube ich, brachte er das Buch „Die Alternative" heraus. Zehn Jahre Bautzen, sollte er für diese fundierte Kritik der DDR-Verhältnisse und seine alternativen Politikvorschläge bekommen. 

In diesem Band sind viele Texte aus seinen letzten Lebensjahren versammelt. Ganz konzentriert legt er seine Kritik am kapitalistischen System und dessen ökologischer Zerstörungswirkung dar, seine Vorstellungen über die sozialpsychologisch notwendigen Veränderungen in der Gesellschaft. Auch seine philosophischen Blickwinkel auf unsere Lebensweise sind sehr erfrischend. 

Für die praktischen und unmittelbaren Veränderungen ist der Fernsehjournalist Franz Alt hauptsächlich zuständig. Bei ihm findet man Hinweise, wie man zu einer ökologischen Landwirtschaft und zu einer solaren Energiewende gelangen kann. 

Überaus interessant ist seine Sicht warum die Grünen an ihrer eigentlichen Aufgabe gescheitert sind. Dagegen legt Ferst umfassender die mittel- und langfristigen Perspektiven dar. 

Über rund 50 Seiten stellt er konkret eine ökotopianische Zukunftsgesellschaft vor, er diskutiert ein neues, ökologisch ausgerichtetes Regierungssystem und läßt am Schluß einen Ökokanzler in einer Fernsehansprache auftreten. Diese wäre für Schröder, Merkel und Co. sicher undenkbar. Aber die Rede ist eine brisante Denkprovokation.

Bahro, Alt und Ferst sorgen mit ihren unterschiedlichen Profilen für viel Stoff zum Weiterdenken. Ergo: Für gesellschaftskritische und ökologische Geister ist das Buch ein Muß im Bücherregal. #

 


Rezension von Heike Koall zu  <Wege zur ökologischen Zeitenwende>

buecher4um.de/Rezensionen/Besprechungen/MNO/OekZeitW.htm  

Sozialökologische Alternativen statt globalisierter Wettrennökonomien 
fordern Franz Alt, Rudolf Bahro und Marko Ferst.

Neuere Studien belegen, ökologische Themen nehmen wieder an Wichtigkeit zu, nachdem Ende der neunziger Jahre wandelte sich das Blatt langsam aber stetig. So glauben zum Beispiel 90 Prozent der Menschen in Deutschland, es komme eine Klimagefährdung auf uns zu. 

Faktenreich wird in dem Buch "Wege zur ökologischen Zeitenwende belegt, wie eng der Spielraum für ein Umsteuern aus dem jetzigen verfahrenen Zustand bereits ist. Die Potsdamer Klimaforscher sagen voraus, ab 2050 könnte eine insbesondere Europa betreffende Eiszeit auf Grund vermehrter Süßwasserzufuhr in den Atlantik eintreten, weil der Golfstrom in so einem Szenario sich stark abschwächt.

Andere Wissenschaftler vermuten eher eine extreme Verstärkung der Wärmefalle durch die Freisetzung von Me-thaneis in den Weltmeeren. Dies würde bisher in den Klimamodellen kaum berücksichtigt. Ob bei den vielen Unbekannten, egal in welche Richtung sich die Welt bewegt, nicht so oder so ein für Menschen wenig attraktives Wettergeschehen herauskommt, muss man sich nicht erst seit der Hochwasserkatastrophe an der Elbe fragen. So bescheinigten die Hamburger Klimaforscher, es gäbe in Deutschland inzwischen doppelt so viele Starkregenereignisse wie vor 100 Jahren.

Franz Alt, Rudolf Bahro und Marko Ferst stellen also erst mal die richtigen Eingangsfragen. Franz Alt, Fernsehmoderator der 3sat-Sendung "grenzenlos" schieb bereits mehre Umweltbücher und handelte sich in den achtziger und neunziger Jahren bei Fernsehchefs u.a. immer wieder Kritik ein, weil er entweder die Atomkraftnutzung kritisierte oder andere ökologische Innovationen in seinen Sendungen politisierte. Rudolf Bahro veröffentliche vor 25 Jahren "Die Alternative" für die damals 8 Jahre Haft veranschlagt wurde und die eine systematische Analyse und Kritik des Pseudosozialismus enthielt. Später profilierte er sich als Sozialökologe und hielt über viele Semester hinweg gut besuchte öffentliche Vorlesungen an der Humboldt-Universität.

Als Dritter im Bunde begründete Marko Ferst 1994 zusammen mir vielen anderen die Ökologische Plattform bei der PDS. Er ist der Herausgeber des Bandes und beschäftigt sich auch mit sozialpsychologischen Aspekten der ökologischen Krise, veröffentlichte dazu über Erich Fromms Paradigma "Haben oder Sein" einen Sammelband. Eine wirkliche neue Politik erwartet Franz Alt nicht von den Regierungen. Entscheidend seien in jedem Fall qualifizierte Minderheiten. So wie 1968 antiautoritäre Gruppen gegen eingefahrene gesellschaftliche Konventionen protestierten oder 1989 Friedens-, Umwelt- und Bürgerrechtsgruppen gegen das verknöcherte SED-Regime Erfolg hatten, so wird eine organisierte Minderheit künftig gegen unseren selbstmörderischen Entwicklungsweg auftreten müssen.

Die Menschen wissen längst, wir ernten was wir sähen. Bestechend ist bei Alt, wie er konkrete Vorschläge für den ökologischen Wandel macht, die hier und jetzt umsetzbar sind oder gar schon existieren. So zum Beispiel wie in Karlruhe die Menschen erfolgreich vom Auto in die Straßenbahn umsteigen, die Fahrgastzahlen um ein Vielfaches stiegen und wie Holland zum Paradies für Fahrradfahrer wurde.

Über eine systematische Kritik der real existierenden Gesellschaftsordnung hinaus, setzt Marko Ferst auf vorausschauende Perspektiven: In einem Panorama zeichnet er eine Vision auf, wie die Gesellschaft von Morgen aussehen könnte. Ökologische Landwirtschaft, Lebenswelten mit minimiertem Materialverbrauch, solare Energieversorgung bis hin zu den Strukturen einer nichtkapitalistischen Organisation der Arbeitswelt und vieles andere wird vorgestellt. Bis aber ein deutscher Ökokanzler eine Regierungserklärung im Fernsehen abgibt, wie sie Ferst aufgeschrieben hat, werden wohl noch einige Jahrhunderthochwasser und Megaorkane das Land verwüsten. 

Die von ihm formulierte Vorreiterrolle in der Abrüstungspolitik und eine auf Suffizienz basierte Lebensweise wäre wohl selbst dann nicht zu erwarten, wenn Jürgen Trittin zum Kanzler gewählt würde, weil die Grünen 40 Prozent der Stimmen eingefahren hätten. Freilich könnte ein zweites Parlament als ökologischer Rat für die langfristigen Aufgaben der Gesellschaft, den ökologischen Reformprozess, so wie die Autoren denken, vielleicht beschleunigen.

Rudolf Bahro nimmt in seinen Texten die Frage auf, wo liegen die tiefsten Ursachen der ökologischen Krise. Zwar glaubt auch er nicht, eine kapitalistische Lösung des Problems könne auf Dauer angehen, im Gegensatz zu Alt etwa. Er sieht auch auf den patriarchalen Untergrund der Krise und thematisiert den Aktionszwang der in unserer Kultur liege. 

So wird dargelegt in wiefern unsere geschichtlich erworbene Sozialpsychologie die treibende Kraft hinter der ökologischen Weltkrise sein könnte, verstärkt über die auf Sachzwänge gegründete Megamaschine. Offen bleibt jedoch wie Bahro den formulierten seelisch-geistigen Kultursprung, praktisch auf die politische Bühne zu bringen gedachte. Viel plausibler sind jedoch seine umfangreichen Kritiken an der Studie "Zukunftsfähiges Deutschland".

Im Ganzen ist das Buch keine Anleitung zu systemkonformer Umweltreparatur, sondern es setzt auf eine grundsätzliche Alternative, wie schon jenes Buch von Bahro vor 25 Jahren, dass eine Kritik des real existierenden Sozialismus im Focus hatte. So unterschiedlich die drei Autoren argumentieren, "Putzarbeiten auf der Titanic" (Bahro) zelebrieren sie nicht. 

Damit heben sie sich wohltuend von jenen Bestsellerschreibern ab, die schönfärberisch Ökooptimismus verkünden und wenig hilfreich sind, um die auf uns zukommenden Gefährdungen abzuwenden. #end koall# 

 


Verlagstext:

Die ökologische Krise droht der menschlichen Zivilisation eine Richtstatt zu bereiten. Ohne einen Quanten­sprung in der Politik ist eine global-ökologische Rettung völlig aussichts­los. Sie wird schwieriger zu erreichen sein, als es einst die Verhinderung der Nazibarbarei in Deutschland gewesen wäre. Dabei könnten die ersten Schritte in wenigen Jahren getan sein.

Ungefähr alle acht Minuten schickt uns die Sonne soviel Energie auf die Erde, wie wir in einem Jahr verbrauchen. Würden wir sämtliche Energie, die wir nicht einsparen können, über Solartechnik, Wasserkraft, Windkraft und aus Biomasse gewinnen, hätten wir schon ein gutes Stück Zukunft gesichert. 

Wir werden aber auch die Materialströme, die wir durch unsere Industriegesellschaft pumpen, auf einen Bruchteil zu reduzieren haben. Mit einer globalisierten Wett­bewerbs­ökonomie, die auf permanentem Wachstum fußt und einen Pol auf Kosten des anderen Pols entwickelt, wird die Todesspirale nicht aufzuhalten sein. Gerechte gesell­schaft­liche Verhältnisse im globalen Maßstab sind nötig.

Der erforderliche ökologisch-soziale Strukturwandel müßte umfassender sein als alle vorhergehenden Umwälzungen und Reformen in der Menschheits­geschichte. 

Der Reichtum der Industriestaaten steht auf tönernen Füßen, der Wohlstand von drei, vier Generationen wird immer wahr­scheinlicher mit Jahrhunderten Siechtum und Elend bezahlt werden. Angesichts dieser prekären Lage steht die Frage nach Alternativen dringender als je zuvor auf der Tagesordnung der Weltgeschichte. Wir alle müssen uns fragen, wie könnte eine bestandsfähige ökoplanetare Zukunftszivilisation in wenigen Jahrzehnten aussehen?

Die eigentliche Chance für eine ökologische Rettungspolitik erwächst aus dem geistigen Lebensniveau der Gesellschaften. Jede Veränderung beginnt im Menschen, hat dort ihren Vorlauf. Die ökologische Zeitenwende sollte eingebettet in einen seelisch-geistigen Wandel sein. Der Übergang vom fortschrittssüchtigen Wohl­stands­staat zur in sich ruhenden Wohl-Seins-Gesellschaft ist nötig. Wir brauchen ein ökologisches Kultursystem, das auf Herz und Geist gebaut ist. Von einer erkennenden, das soziale Ganze in sich einschließenden Liebe aus, hätten wir die Welt neu einzurichten.  #


 

 

Mehr von Marko Ferst: 

Erich Fromm als Vordenker (2002)

 

Marko Ferst: Herausgeber, Plädoyer und Nachwort

Plädoyer für eine ökologische Zeitenwende (S. 175-183)

Nachwort 2010 (S. 184-186)

 

 

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